β-Caryophyllen ist das wohl medizinisch spannendste Terpen in Cannabis. Es ist das einzige bekannte Terpen, das direkt an den CB2-Rezeptor des Endocannabinoid-Systems bindet – wissenschaftlich macht es das fast zu einem Cannabinoid. Aromatisch sorgt β-Caryophyllen für die würzig-pfeffrigen, holzigen Noten, die du aus Sorten wie GSC, GG4 oder Bubba Kush kennst.
Steckbrief β-Caryophyllen
- Chemischer Name: trans-β-Caryophyllen, BCP
- Summenformel: C₁₅H₂₄
- Klasse: Bicyclisches Sesquiterpen
- Siedepunkt: ca. 119 °C bei 2 hPa – ca. 262 °C atmosphärisch
- Aroma: würzig, pfeffrig, holzig, leicht erdig
- Auch enthalten in: Schwarzem Pfeffer, Nelken, Zimt, Hopfen, Rosmarin
Was β-Caryophyllen besonders macht
2008 zeigte das Team um Prof. Jürg Gertsch (Universität Bern), dass β-Caryophyllen selektiv an den CB2-Rezeptor bindet (PNAS, 2008). Damit ist es als „dietary cannabinoid” klassifiziert – ein Pflanzenstoff aus dem Alltag, der direkt im körpereigenen Cannabis-System wirkt. CB2 sitzt vor allem auf Immunzellen, weshalb β-Caryophyllen besonders für entzündungs- und schmerzbedingte Anwendungen interessant ist.
Aroma & Geschmack
Beim Riechen erinnert β-Caryophyllen sofort an schwarzen Pfeffer, mit einer warm-holzigen Tiefe wie aus einer alten Bibliothek. Im Geschmack folgt eine würzig-trockene Note, oft mit einem Hauch Nelke oder Zimt. Sorten mit hohem β-Caryophyllen-Gehalt schmecken „erwachsen”, erdig und herb.
Wirkung – die Studienlage
- Entzündungshemmend: Hemmt NF-κB und Cytokine in Tier- und Zellmodellen.
- Schmerzlindernd: CB2-Aktivierung wirkt analgetisch ohne klassisches THC-„High”.
- Neuroprotektiv: Modelle für Alzheimer und Parkinson zeigen positive Effekte.
- Suchtreduzierend: Studien zu Alkohol- und Kokainabhängigkeit deuten auf reduzierte Selbstverabreichung hin.
- Magenschützend: Wirkt gegen Magengeschwüre in Vorstudien.
Sorten mit hohem β-Caryophyllen-Anteil
- Girl Scout Cookies (GSC)
- Gorilla Glue #4 (GG4)
- Bubba Kush
- Original Glue
- Cookies Kush
- Skywalker OG
- Chemdog
Vaporizer-Temperatur
β-Caryophyllen ist eines der hitzestabileren Terpene und kommt erst bei höheren Temperaturen vollständig frei. Für ein „pfeffriges” Erlebnis sind 185–200 °C ein guter Korridor – tief genug, um Cannabinoide zu schonen, hoch genug für volle Würze.
Sicherheit
β-Caryophyllen ist FDA-anerkannt („GRAS”) und in Lebensmitteln als Aromastoff zugelassen. In normalen Konsummengen gilt es als sehr gut verträglich. Interaktionen mit Cannabinoid-Medikamenten sind theoretisch möglich – Patient:innen sollten das mit ihrem Arzt klären.
FAQ: β-Caryophyllen
Ist β-Caryophyllen wirklich ein Cannabinoid?
Funktionell ja – es bindet selektiv an CB2. Strukturell bleibt es ein Sesquiterpen. Eine seltene Doppelidentität in der Pflanzenchemie.
Macht es high?
Nein. CB2 sitzt überwiegend auf Immunzellen, nicht im Gehirn. Daher kein klassisches THC-„High”.
Quellen
- Gertsch, J. et al. (2008). Beta-caryophyllene is a dietary cannabinoid. PNAS, 105(26).
- Bahi, A. et al. (2014). β-Caryophyllene reduces alcohol intake in mice. Physiology & Behavior, 135.
- Russo, E. B. (2011). British Journal of Pharmacology, 163(7).
Teil 3 der Hanfjack-Terpenbibliothek. Zur Übersicht.
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