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Myrcen: Das häufigste Cannabis-Terpen erklärt

Myrcen (β-Myrcen) ist das mit Abstand häufigste Terpen in Cannabis. Mehr als die Hälfte aller untersuchten Sorten haben Myrcen als dominantes Terpen im Profil – oft mit Anteilen von über 50 Prozent am gesamten Terpengehalt. Wer den klassischen, erdig-moschusartigen „Weed-Geruch” mag, riecht zu einem großen Teil Myrcen.

Steckbrief Myrcen

  • Chemischer Name: β-Myrcen (Beta-Myrcen), 7-Methyl-3-methylen-1,6-octadien
  • Summenformel: C₁₀H₁₆
  • Klasse: Acyclisches Monoterpen
  • Siedepunkt: ca. 167 °C
  • Aroma: erdig, moschusartig, leicht fruchtig (Mango, reife Trauben)
  • Auch enthalten in: Hopfen, Mango, Thymian, Zitronengras, Lorbeer

Chemie & Biosynthese

Myrcen entsteht in den Trichomen der Cannabispflanze über den MEP-Weg (Methylerythritolphosphat-Weg). Aus Geranylpyrophosphat (GPP) bildet das Enzym Myrcen-Synthase das fertige Monoterpen. Sein einfacher, offener Kohlenstoff-Aufbau macht Myrcen besonders flüchtig: Schon Raumtemperatur und Licht reichen, damit das Aroma binnen Wochen verloren geht.

Aroma & Geschmack

Myrcen riecht warm, erdig und moschusartig mit Anklängen von reifer Mango, Trauben und feuchter Walderde. In hohen Konzentrationen wirkt das Aroma fast schwer und „dampfend”. Im Geschmack bringt Myrcen einen weichen, leicht fruchtigen Unterton, der besonders bei Kush-Sorten und Indica-dominanten Hybriden klar erkennbar ist.

Wirkung – was die Forschung weiß

Myrcen gilt als das Terpen hinter dem berühmten „Couch-Lock”-Effekt. Tierstudien zeigen sedierende, muskelrelaxierende und schmerzlindernde Effekte. Ein populärer Mythos: „Eine Mango vor dem Joint verstärkt den Rausch” – tatsächlich enthält Mango Myrcen, ob die Mengen jedoch ausreichen, um die Cannabinoid-Bioverfügbarkeit messbar zu erhöhen, ist nicht eindeutig belegt.

  • Sedierend / muskelentspannend: mehrere Tierstudien, u. a. bei Mäusen.
  • Entzündungshemmend: Hemmung von NF-κB-Signalwegen in Zellmodellen.
  • Schmerzlindernd: Aktivität an α2-adrenergen Rezeptoren in Vorstudien.
  • Synergie mit THC: Russo (2011) vermutet, dass Myrcen die Blut-Hirn-Schranke für Cannabinoide durchlässiger macht – Beweis steht aus.

Sorten mit hohem Myrcen-Anteil

  • OG Kush – Klassiker, oft >60 % Myrcen im Profil
  • Granddaddy Purple – tief sedierende Indica
  • White Widow – ausgewogener Hybrid mit Myrcen-Basis
  • Mango Kush – fruchtige Mango-Note kommt direkt von Myrcen
  • Northern Lights – legendäre Schlaf-Indica
  • Skunk #1 – ältere Genetik mit starker Myrcen-Dominanz

Konsum & Vaporizer-Temperatur

Da Myrcen bei ca. 167 °C siedet, kommt es im Vaporizer schon in den niedrigen Temperaturbereichen mit. Wer das volle Myrcen-Erlebnis will, sollte mit 165–175 °C starten. Bei höheren Temperaturen verflüchtigt sich das Terpen rasch – die typische erdige Süße verschwindet zugunsten von THC.

Lagerung: Myrcen retten

Myrcen oxidiert leicht. Drei Maßnahmen erhalten das Profil:

  • Dichtes, getöntes Glas mit Boveda-Pads (58–62 % rH)
  • Lagerung bei 15–18 °C, dunkel
  • Kein Plastiktütchen mit Reibung – baut Myrcen extrem schnell ab

Sicherheit & rechtlicher Status

Myrcen wird in Lebensmitteln (Bier, Mango-Smoothies) regelmäßig konsumiert und gilt als unbedenklich. Diskussionen um eine theoretische karzinogene Wirkung beziehen sich auf extrem hohe Tierdosen, die in normalem Konsum nie erreicht werden. In der EU ist Myrcen als Aromastoff zugelassen.

FAQ: Myrcen

Macht Myrcen high?

Nein. Myrcen ist nicht psychoaktiv im THC-Sinne. Es kann die Wirkung von THC aber modulieren – Richtung Entspannung, „indica-typisch”.

Stimmt der Mango-Trick?

Mangos enthalten Myrcen, aber kontrollierte Daten zur Wirkungsverstärkung fehlen. Schadet nicht – ist aber kein „Boost” auf Knopfdruck.

Wie erkenne ich Myrcen?

Erdig, leicht süß, moschusartig – wie nasses Holz mit reifer Mango. Im Hopfen ist es ähnlich präsent.

Quellen

  • Russo, E. B. (2011). British Journal of Pharmacology, 163(7).
  • Surendran, S. et al. (2021). Myrcene – What are the potential health benefits? Frontiers in Nutrition, 8.
  • Booth, J. K. & Bohlmann, J. (2019). Plant Science, 284.

Teil 1 der Hanfjack-Terpenbibliothek. Zur Übersicht aller 40 Terpene geht es hier: Die große Terpenbibliothek.

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